|
Nach acht Jahren übergibt der ehemalige Präsident des Liechtensteiner Radfahrerverbandes (LRV) sein «Kind», die Metzgerei-Ospelt-Trophy, in neue Hände. Wie alles begann, wie es weitergeht und warum Peter Rutz auf die mittlerweile etablierte Nachwuchsserie stolz ist, verrät er im Volksblatt-Interview. |
Volksblatt: Herr Rutz, Sie sind der Erfinder, der Vater, der Metzgerei-Ospelt-Trophy. Nach acht Jahren ziehen Sie sich nun aus der ersten Reihe zurück. Warum dieser Schritt und wer ist zukünftig für die Nachwuchs-Rennserie hauptverantwortlich?
Peter Rutz: Ich habe immer gesagt, dass ich sieben Jahre lang das Amt des LRV-Präsidenten ausüben werde. Für mich war auch klar, dass ich mich mit dem Ende meiner Amtszeit aus den einzelnen Projekten zurückziehen will. Natürlich wollte ich nicht einfach alles fallen lassen, sondern meine Agenden langsam und fliessend übergeben. So war ich in der abgelaufenen Saison noch als Hauptverantwortlicher für die MOT zuständig, habe alle Sponsoren bezüglich Übergabe informiert und den neuen LRV-Präsident, Samuel Ritter, sozusagen in die Materie eingeführt. Er wird, zusammen mit Hans Stricker, der für den technischen Bereich zuständig ist, den LRV bei der MOT vertreten.
Sind Sie stolz, wie sich die MOT seit 1998 entwickelt hat?
Als ich LRV-Präsident wurde, war es mit ein Anliegen, dass wir unserem Nachwuchs mehr bieten. Wir hatten Superradfahrer im Sektor Lizenzierte, aber längerfristig gesehen war klar, dass uns der Nachwuchs fehlt. Da ich selbst mit einer Nachwuchsrennserie gross wurde, wollte ich unbedingt wieder eine solche lancieren. Stolz bin ich, dass diese Serie nun seit acht Jahren besteht, unser Hauptsponsor, Albert Ospelt, auch für die neunte Saison zugesagt hat, der LRV dahinter steht und nach den ersten Gehversuchen jetzt auch selbst läuft. Ich traue mich auch zu behaupten, dass von fünf Liechtensteiner Kindern drei wissen, was die MOT ist. Dies ist sicherlich auch mein Verdienst.
In den letzten Jahren hat die MOT immer wieder mit Neuerungen aufgewartet, was ist für 2006 geplant?
Es werden zwei, drei neue Bewerbe in den Rennkalender aufgenommen, es wird eine Saisoneröffnung geben und zum Abschluss dürfen alle, die regelmässig teilnehmen, an einem Abschlusslager in Steg mitmachen. Dort wird mit einigen renommierten Fahrern über ein Wochenende an der Technik gefeilt und der Spass soll natürlich auch nicht zu kurz kommen. Zudem wird es zum MOT-Start 2006 eine Überraschung unseres Hauptsponsors geben. Zu viel darf ich aber noch nicht verraten.
Entspricht die heutige MOT den Vorstellungen, die Sie vor acht Jahren hatten und mit welchen Anlaufschwierigkeiten hatten Sie zu kämpfen?
Ganz am Anfang waren Bedenken da, aber das ist wohl normal, wenn einer kommt, der neue Ideen hat und alles über den Haufen wirft. Es war auch klar, dass der LRV die Rennbewerbe nicht in Eigenregie ausrichten kann, denn diese Förderung muss in den Vereinen - an der Basis - stattfinden. Bei vier Vereinen im Land, stand recht schnell fest, dass die MOT zwischen vier und sechs Bewerbe umfassen soll. Die tollen Teilnehmerzahlen haben dann auch gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Sie sind immer dafür eingestanden, dass jedes Kind - egal ob talentiert und unabhängig vom Material - bei der MOT mitmachen kann und trotzdem bezeichnen Sie die Serie als Nachwuchsschmiede. Wie lässt sich dies vereinbaren?
Nicht jeder 7- bis 13-Jährige hat eine Profiausrüstung daheim. Daher war die Idee, dass man für jeden Rennen veranstaltet, der zu Hause ein Rad hat. Die MOT soll jedem Freude, Motivation und Faszination am Radsport bieten. Ich selbst habe bei den Schülerrennen, die der damalige LRV-Präsident Louis Oehri in den Achtzigerjahren organisiert hat, mit einem Dreigang-rad angefangen und es war einfach eine Gaudi. Ich konnte mich bewegen, mit Gleichgesinnten messen und es kam nicht aufs Material an. Später kam ich dann so zum Rheintalercup, der schon einen Schritt weiter war. Dort fuhren lizenzierte Schüler, die bei einem Verein waren, entsprechendes Material hatten und eine Trainingsausbildung genossen. Im Rahmen der MOT bieten wir auch ein Training mit den Schwerpunkten Technik, Bewegung und Spass an und nicht rennmässig nach einem Trainingskalender, um sich für einen bestimmten Anlass vorzubereiten. Dies war die Basis, um zu schauen, ob es in Liechtenstein überhaupt junge Menschen gibt, die sich mit dem Rad messen wollen. Frühzeitig war spürbar, dass wir eine Supermöglichkeit geboten haben und auch diverse Kinder aus anderen Sportarten - besonders Skifahrer - haben bei der MOT als Ausgleich mitgemacht. Natürlich haben auch verschiedene Fahrer Ambitionen gezeigt, sich mit neuem Material eingedeckt und auch Talent bewiesen haben. Bei solchen Athleten müssen unsere Vereine noch aktiver sein und sie unterstützen.
Welche Talente haben denn nun über die MOT ihre Liebe zum Radsport entdeckt?
Man muss schon die Kleinheit des Landes berücksichtigen und die Konkurrenz von anderen Sportarten ist bei uns enorm. So haben wir die MOT von Beginn an über unserer Landesgrenzen geöffnet. Für mich der herausragendste Fahrer war Marco Lippuner. Er hat sich über die MOT, den 4-Länder-Cup und den Anfängern zu einem der besten Schweizer Junioren - mit einem Vertrag in einer Sportgruppe - entwickelt. Ich erinnere aber auch an Stephan Noser, Andreas Frigg oder an Roman Stricker, die durch gezieltes Training beachtliche Resultate erreichten.
Wohin soll sich die MOT entwickeln?
Ich kann mir vorstellen, dass wir im Rahmen der MOT auch einmal Rennen in der Schweiz oder in Vorarlberg durchführen. Vielleicht können wir unsere Serie in einer Radsportveranstaltung in Buchs oder in Rankweil unterbringen und so noch mehr Kinder zum Mitmachen motivieren.
Was macht für Sie den Radsport so faszinierend?
Das man sich mit der eigenen Muskelkraft bewegen kann und - obwohl Radfahren eigentlich ein Einzelsport ist - das Zusammengehörigkeitsgefühl im Team oder Feld. Wenn ich daran denke, läuft es mir kalt über den Rücken: Ich höre immer das Surren der Räder, der Speichen und denke einfach an die spezielle Stimmung und an die Spannung, die in der Luft liegt. Wenn man das einmal erlebt hat, lässt es einen nicht mehr los.
zurück