Die Jubiläumsausgabe «Chasing Cancellara» mit dem zweifachen Olympiasieger Fabian Cancellara begeisterte die 400 Teilnehmenden.

Michael Vogt aus Schaan hat bei der fünften Chasing Cancellara in Vaduz geschafft, was selbst dem Namensgeber verwehrt blieb: Er nahm an allen Durchführungen teil. Da Cancellara einmal gesundheitsbedingt passen musste, hat Vogt nun eine Teilnahme mehr auf dem Konto als «Spartacus» selbst. Besonders hart war die Austragung 2024 – «wir waren nach zehn Kilometern alle nass und durchgefroren und haben trotzdem durchgebissen», erinnert er sich. Alle vier anderen Durchführungen fuhr er gemeinsam mit Cancellara in derselben Gruppe: «Es ist motivierend, neben einem so berühmten Sportler Rad zu fahren.» Dabei nimmt Vogt das Motto «Chasing Cancellara» ernst. Doch Cancellara, der zweifache Olympiasieger und ehemalige Spezialist für Einzelzeitfahren und die pres­tigeträchtigen Frühjahrsklassiker ist nach wie vor in einer Topverfassung. «Er sagt zwar jedes Jahr, dass er müde Beine hat, mag aber immer treten», lacht Vogt. Cancellara lässt sich im Fahrerfeld aber auch einmal zurückfallen, um sich mit den Teilnehmenden auszutauschen. Dafür bleibt Zeit, da bei diesem Format die Zeiten nur in den Steigungen gemessen werden. So gebe es jedes Jahr neue Begegnungen. Automatisch vergleiche und messe man sich gegenseitig, so Michael Vogt: «Dabei ist mir der sportliche Erfolg wichtig. Vor allem aber bin ich dankbar, dass ich die Basis mit Gesundheit und Umfeld hatte, jedes Jahr mitmachen zu können. So ist der schönste Erfolg, bei Zieleinfahrt meine wartende Familie in die Arme zu schliessen.»

Sonja Bargetze: Podestplatz bei der Premiere

Es sei denn, man wird zur Siegerehrung gerufen: So durfte Michael Vogt als Teil des Teams des LLB Cycling Team als Dritte der Teamwertung hinter dem Cycling Team Ost (CTO) und Hilti auf dem Podest feiern. Ebenso erfolgreich war Sonja Bargetze, die bei den Frauen über die 90-Kilometer-Distanz den hervorragenden dritten Gesamtrang belegte und in ihrer Altersklasse sogar den Sieg holte. Für sie war das Rennen eine Premiere: «Ich bin keine kurzen, schnellen Anstiege gewohnt und brauchte einige Kilometer, um ins Rollen zu kommen. Doch es wurde immer besser», resümierte sie zufrieden. Das Fazit der Debütantin: «Die Atmosphäre war toll, das Erlebnis grossartig. Es hat sich gelohnt, dabei zu sein.» Auffällig war der Teamgeist regionaler Unternehmen. Mitarbeitende von Firmen wie LGT, Hilti und LLB zeigten in ihren einheitlichen Team-Dressen Präsenz. Erstmals stellte auch die VP Bank eine eigene Equipe. Urs Monstein, CEO der VP-Bank-Gruppe und Förderer von Lernenden im Leistungssport, zeigte sich begeistert vom Engagement seiner Mitarbeitenden: «Ich freue mich, dass rund zwei Dutzend Mitarbeitende teilgenommen haben. Über diesen Anlass werden sie sich noch lange austauschen und damit auch das Miteinan­der im Unternehmen fördern.» Cancellara organisierte den Event das fünfte Mal ge­mein­sam mit der Gemeinde Vaduz, «Erlebe Vaduz» und dem Liech­ten­steiner Radfahrerverband.

Teilnehmende aus 21 Nationen

Die Jubiläumsaustragung unterstrich die enorme Beliebtheit des Anlasses: Top organisiert, eine fröhliche Atmosphäre und rücksichtsvolle Autofahrer prägten das Bild. Rund 400 Radsport­begeisterte aus 21 Nationen erkundeten gemeinsam das Land. Der Anlass war bereits einen Monat vor der Durchführung ausgebucht, und dies bei der erstmaligen Durchführung im Frühling. Die Strecke variiert jährlich. Dieses Jahr wurde bei schönstem Frühlingswetter der Schellenberg von beiden Seiten sowie die St. Luzisteig erklommen. Fabian Cancellara selbst schwärmte: «Den Pass haben wir heute von der schönsten Seite her befahren – aus Liechtenstein Richtung Schweiz.» Bereits als aktiver Rennfahrer habe er die St. Luzisteig gemocht. Jetzt aber, da es weniger ums Gegeneinander, sondern viel mehr ums Miteinander und das Erlebnis gehe, findet er sie doppelt schön. Obwohl die Zukunft der Chasing Cancellara noch nicht final gesichert ist, blickt er optimistisch nach vorne und möchte das Konzept weiterentwickeln: «Liechtenstein ist ein wunderschönes Land zum Erkunden und Sporttreiben. Dieses Erlebnis wollen wir jedes Jahr weiteren Teilnehmenden näherbringen.» Die Stimmen der Einheimischen geben ihm Recht. Matthias Marxer aus Eschen schwärmte nach seiner ersten Teilnahme von einem «coolen Anlass mit aussergewöhnlichen Teamdynamik», während Tobias Eberle, Sandro Beck, Roland Ballweber und weitere die Bedeutung solcher Events für das Land betonten.

Die bestklassierten Liechtensteiner: Grosse Runde (90 km): Frauen: 1. Sonja Bargetze 47:54,4. 2. Ninett Eberle 53:59,1. Männer: 1. Roland Ballweber 44:41,6. 2. Michael Vogt 46:45,0. 3. Sidney Senti 52:08,9. 4. Jeremias Meier 52:49,8. 5. Marco Eggenberger 54:22,6. 6. Roger Stalder 55:11,0. Kleine Runde (50 km): 1. Peter Marxer 35:09,7. 2. Werner Gstöhl 37:52,9. 3. Stefan Zünd 38:22,1. 4. Pascal Trefzer 39:13,5. 5. Matthias Marxer 40:09,3. 6. Nicolas Wohlwend 42:32,5.

Bild: Michael Vogt (Mitte) zusammen mit Fabian Cancellara und Marco Eggenberger vom Mitorganisator Liechtensteiner Radfahrerverband (l.).

Quelle: Liechtensteiner Vaterland